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«Deutsch-Albanisch aufzuwachsen ist cool!»

Text

Kristina Reiss

Erschienen

27.05.2022

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Mehrsprachig aufwachsende Kinder sind im Vorteil. Doch worauf ist dabei zu achten? Und was bringen zweisprachige Kitas oder Au Pairs aus China?

Wer mehrere Sprachen spricht, hat es leichter – und zwar nicht nur beim Kommunizieren. So zeigen zahlreiche Untersuchungen, dass sich multilinguale Menschen besser konzentrieren können, Konflikte leichter lösen und sich besser in andere hineinversetzen. Ihr Gehirn ist zudem bis ins hohe Alter flexibler. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema:

Überfordert es Kinder, wenn sie mit drei Sprachen aufwachsen?

Nein. «Kinder können mehrere Sprachen gleichzeitig lernen», sagt Franziska Vogt, Leiterin des Instituts Lehr- und Lernforschung sowie des Zentrums Frühe Bildung an der Pädagogischen Hochschule St. Gallen. So leicht wie im Kindesalter lerne man später keine Fremdsprache mehr. Zudem würden damit auch Werte, Traditionen und Normen vermittelt: Ein mehrsprachiges Kind wird so auch sicherer im Umgang mit anderen Kulturen. 

Macht es Sinn, mit den Kindern Englisch zu reden, obwohl dies nicht meine Muttersprache ist?

Davon rät die Fachfrau ab: «Dies ist nicht authentisch und irritiert Kinder nur». Bei zweisprachigen Kitas oder dem Au Pair aus China hingegen sei die Sprache im Alltag notwendig, um sich mit den muttersprachlichen Bezugspersonen zu verständigen. Eltern sollten von Anfang an diejenige Sprache an den Nachwuchs weitergeben, die ihre Herzenssprache ist.

Was braucht es, damit Kinder die lokale Sprache lernen?

Idealerweise lernt der Nachwuchs bereits vor dem Kindergarten ausserhalb der Familie die lokale Sprache kennen. «Dafür braucht es kostenlose oder günstige Kitas und Spielgruppen», findet Vogt (s. Box). Generell wünscht sie sich eine grössere Wertschätzung jedweder Mehrsprachigkeit: «Nicht nur Deutsch-Englisch aufzuwachsen ist cool, sondern auch Deutsch-Albanisch oder Deutsch-Suaheli!» 

Sollen Kinder mehrsprachig aufwachsen?

Schon im Vorschulalter 

In der mehrsprachigen Spielgruppe des Interkulturellen Frauentreffs Karibu arbeitet Kinderpsychologin Sengül Ataç mit Betreuerinnen, die selbst die Muttersprache der Kinder sprechen. «So können wir mit den Kleinen sowohl auf Deutsch wie auch in ihren Erstsprachen Lieder singen oder spielen.» Aus Angst, dass ihr Kind später in der Schule Nachteile haben könnte, kommunizierten Eltern mit Migrationshintergrund lieber in gebrochenem Deutsch als in der Muttersprache.» Das ist gut gemeint, aber falsch. «Nur wer in seiner Muttersprache sicher ist, lernt auch gut Zweitsprachen», so Ataç. Das Projekt wird gefördert von der Initiative «ici. gemeinsam hier.»

Stimmt es, dass multilinguale Kinder länger brauchen bis sie eine Sprache gut können?

Mehrsprachige Kinder hören in den jeweiligen Sprachen weniger Worte und Sätze als Kinder, die alles in einer einzigen Sprache wahrnehmen. Ihr Lernen ist also auf mehrere Sprachen verteilt. Deshalb entwickeln sich die einzelnen Sprachen bei einigen Kindern zunächst ein wenig langsamer. Der Unterschied ist aber nicht gross, auch sonst sprechen die einen Kinder früher und die anderen etwas später. 

Wie vermeide ich ein «Chrüsimüsi» zwischen den Sprachen? 

Keine Sorge, der wilde Mix legt sich meist von selbst. Wer multilingual aufwächst, mischt im Vorschulalter häufig: Was ein Kind in der einen Sprache noch nicht sagen kann, leiht es sich übergangsweise halt aus der anderen. 

Und wenn sich das Kind einer Sprache verweigert?

Gelassen bleiben und konsequent in der jeweiligen Sprache weiterreden, rät Vogt. «So bleibt dem Kind die Sprache erhalten bis es sie später vielleicht doch anwendet».

Die 5 Top-Tipps 

  • Sich als Paar vor der Geburt bewusst entscheiden: In welchen Sprachen soll der Nachwuchs aufwachsen? In diesen Sprachen viel gemeinsam spielen, vorlesen, sprechen
  • Flexibel bleiben! Es wird immer Phasen geben, in denen das Kind mal die eine mal die andere Sprache bevorzugt
  • Statt kritisieren («Das hast du falsch gesagt! Richtig muss es heissen…») lieber den Satz beiläufig korrekt wiederholen und erweitern
  • Auch die Lokalsprache integrieren (durch den Besuch von Spielgruppen oder Kita, durch Kontakte zu Familien, die die lokale Sprache sprechen), sich als Eltern für die Lokalsprache interessieren (Studien zeigen, dass Kinder diese dann schneller lernen)
  • Bei Unsicherheiten und Fragen: Lieber einmal mehr zum Kinderarzt gehen

Foto/Bühne: Getty Images

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