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Eine Zugfahrt für nachhaltige Ideen

Text

Marion Loher, Lea Müller

Erschienen

11.11.2021

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Das Team von SimpleTrain hat die Chance genutzt, im Klima-Zug in Richtung Glasgow mit Teilnehmenden der UN-Klimakonferenz zu diskutieren.

Zwei Stunden dauert die Zugfahrt mit dem Eurostar von Brüssel nach London. Das sind 120 Minuten, die Austin Widmer und Marius Portmann nutzen konnten, um ihre Vision für nachhaltiges Reisen mit Teilnehmenden der 26. UN-Klimakonferenz zu diskutieren. Die Zürcher Studenten und Mitgründer des Startups SimpleTrain durften im «Climate Train» in Richtung Glasgow mitfahren und auf einer Teilstrecke eine Diskussionsrunde zum Thema «Ask me anything about rail» leiten. Mit am Tisch sassen beispielsweise der EU-Direktor für Landtransport, die Direktorin der niederländischen Staatsbahn, der niederländische Minister für Infrastruktur und Umwelt oder eine Vertreterin der japanischen Staatsbahn. Ein einmaliges Erlebnis. «Irgendwie surreal», sagt Austin Widmer. «Ich kann es immer noch kaum glauben, mit wem wir alles diskutieren konnten.»

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Die Gelegenheit beim Schopf gepackt

Zur Einladung für diesen «Climate-train» war das Gründertrio von SimpleTrain am World Passenger Festival von Anfang Oktober in Amsterdam gekommen. Per Zufall. «Wir hatten im Startup-Bereich einen Stand, an dem wir unsere Buchungsplattform für Zugreisen präsentierten», erzählt Austin Widmer. Gleichzeitig verfolgten er und seine Kollegen verschiedene Gesprächsrunden. Bei jener zum Thema «How to get the planes out of the sky» kamen sie mit einem niederländischen Vertreter von Pro Rail ins Gespräch. Er erzählte ihnen von der Möglichkeit, im Eurostar Richtung UN-Klimakonferenz mit Entscheidungsträgern Lösungen zu diskutieren, und ermöglichte schliesslich die Teilnahme der Schweizer. Die Studenten zögerten nicht und packten die Gelegenheit beim Schopf: «Mit EU-Entscheidungsträgern an einem Tisch zu sitzen, um das internationale Bahnreisen zu verbessern – das ist ein Impact, mit dem wir nicht gerechnet haben», betont Widmer.  

Schnell und einfach zum Zugbillet

Das Projekt SimpleTrain zeigt, wie einfach umweltbewusstes Reisen mit dem Zug funktionieren kann – auch für Fernreisen. Ermöglicht durch den Migros-Pionierfonds hat das Zürcher Startup eine Buchungsplattform aufgebaut, die es Reisenden unter anderem ermöglicht, auf unkomplizierte Weise günstige Zugtickets für sämtliche Verbindungen ins Ausland zu buchen. Mehr erfahren 

Lösungsansätze für den Ticket-Dschungel

Für Austin Widmer und Marius Portmann war die Gesprächsrunde im Zug ein Erfolg. Sie konnten ihre Sicht der Probleme im internationalen Bahnreisesektor einbringen. Dabei ging es ihnen vor allem um das Ticketbeschaffungssystem, das über die Ländergrenzen hinaus zu kompliziert und zu teuer ist. Würden die Bahngesellschaften besser zusammenarbeiten und gemeinsam Lösungen suchen, liesse sich der bestehende Ticket-Dschungel lichten. «Alle Teilnehmenden haben das Problem erkannt und wissen, dass das internationale Reisen mit dem Zug im Sinn der Nachhaltigkeit verbessert werden muss», sagt der Student. Allerdings – und dies sei auch der Wermutstropfen des Ganzen – dürfte es noch dauern, bis etwas passiere. «Zurzeit sind viele Bahngesellschaften europaweit nicht bereit, ihre Daten herauszugeben respektive über die Landesgrenzen hinaus zusammenzuarbeiten.»

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EU-Vizepräsident macht Hoffnung

Hoffnung gibt den SimpleTrain-Gründern der Vizepräsident der Europäischen Kommission, Frans Timmermans. «Er sagte zu den Teilnehmenden des Climate Train, dass die Politik respektive die EU eingreifen werde, falls die Bahngesellschaften nicht von sich aus zusammenarbeiten», erzählt Widmer. Obwohl die Lösungsansätze während der Zugfahrt auf konzeptioneller Ebene blieben, war die Diskussionsrunde ein wichtiger Schritt für das junge Startup-Team. «Wir haben viele interessante Kontakte geknüpft und hoffen, das Thema nun bei Schweizer Politikerinnen und Politikern aufs Tapet zu bringen.»

Fotos: ©SimpleTrain

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