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Abfall oder Rohstoff?

Erschienen

04.03.2022

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Der Materialmarkt «Offcut» gibt Resten eine zweite Chance. Anstatt in den Kehricht gehen sie in den Kreislauf zurück. Die Gegenstände mit Vorleben regen die Kreativität der Bastler*innen an. Das zeigt ein Augenschein vor Ort in Luzern.

«Wir sind kein Brocki, wir arbeiten mit Werkstoffen», betont Alessandra Degiacomi gleich zu Beginn. Gemeinsam mit vier ­Mitgründerinnen betreibt sie seit Kurzem auf 450 Quadratmetern «Offcut» Luzern (unmittelbar beim Seetalplatz Emmenbrücke). «Wir engagieren uns alle ehrenamtlich und möchten mit diesem Projekt ein Statement für eine nachhal­tigere Gesellschaft setzen.» Zu viele Rohstoffe, die man eigentlich noch verwenden könnte, wanderten heute in den Abfall. Ihre Vision: «Wir sortieren, lagern und verkaufen diese als Werkstoffe für neue Projekte und verlängern damit ihre Lebensdauer.» Upcycling nennt sich das. Angefangen beim Korkzapfen über Klebeetiketten bis zu Fliesen, Tapeten, Drei-Schicht-Holzplatten und Textilien. Alle sehen sie neu und ungebraucht aus: «Häufig sind es Restbestände, oder das Material stammt aus Firmenauflösungen oder -konkursen.» Die Spender hätten eigentlich immer Freude, die Sachen weiterzugeben, erzählt Alessandra Degiacomi weiter.

«Es tut, glaube, ich jedem weh, wenn er etwas entsorgen muss, das andere noch brauchen könnten.» Vereinzelt bringen auch Privatpersonen Waren vorbei: «Wichtig zu wissen ist, dass die Mate­rialien unbeschädigt sein müssen und es Spenden sind.» Ziel ist es nämlich, mit dem Umsatz aus dem Verkauf die ­Ladenmiete und weitere Betriebskosten zu decken. In Basel (seit 2013), Zürich (seit 2018) und Bern (seit 2020) gibt es weitere «Offcut»-Materialmärkte, die individuelle Schwerpunkte haben, aber eine gemeinsame Strategie verfolgen.

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Es tut, glaube ich, jedem weh, wenn er etwas entsorgen muss, was andere noch brauchen könnten.

Alessandra Degiacomi Mitgründerin «Offcut» Luzern

Ein etwas anderes Netzwerk

Mit Unterstützung des Migros-Pionierfonds wird seit Mai 2017 am Aufbau des na­tionalen Netzwerks gearbeitet. Dieses wird von den Mitunternehmerinnen gemeinsam anstatt nach einer Top-down-Logik geführt und weiterent­wickelt. «Wir tauschen untereinander auch Materialien aus. Wir haben beispielsweise kürzlich viele Lederwaren erhalten, die wir auch an die anderen Mate­rialmärkte weitergeben.»

Die Idee hinter «Offcut» geht aber noch weiter: «Wir möchten auch Inspirationsort und Austauschplattform sein und den Leuten proaktiv Themen wie Ressourcenschonung und Kreislaufdenken näherbringen», so Degiacomi. Dazu gehören neben Workshops, etwa das Basteln von Fasnachtsgrinden, auch Erlebnisangebote für Firmen. «Gut angelaufen» sei das Angebot bisher, sagt Alessandra Degiacomi, «jetzt müssen wir dranbleiben und uns Schritt für Schritt weiterentwickeln»

So machen die Offcut-Kund*innen aus Altem etwas Neues:

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Das sind Streben für das Dach eines Vogelhauses, das ich aus einem Topf und einem Pfannen-deckel baue. Dafür werden diese Ordner-Hefter zweckentfremdet.

Markus Rast Dierikon

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Daraus wird eine Hängematte für meine Katzen. Ich habe mich beim Umsehen im Laden spontan zu diesem Bastelprojekt inspirieren lassen.

Sarina Wiederkehr Luzern

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Das wird eine Kleiderstange für mein Zimmer. Ich wusste, was das Endresultat sein soll, jedoch nicht, mit welchen Teilen es entsteht.

Eva Maria Odermatt Stans

Fotos: GMLU / Christoph Riebli

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