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Mein Hund ist dein Hund

Text

Manuela Enggist

Erschienen

21.04.2022

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Immer mehr Menschen teilen lieber, anstatt selber zu kaufen. Die Sharing Economy boomt – und erreicht auch den Haustiermarkt.

Matti ist verwirrt. Er springt auf der Waid am Zürcher Käferberg zuerst das blaue Hosenbein hoch, dann das schwarze. Bis er sich schliesslich auf den Rücken legt und Streicheleinheiten einfordert. Jetzt kraulen ihn die Hände, die zu den jeweiligen Hosen gehören: Sirin In Albon (20) und Marlies Seifert (38). «Er ist es sich nicht gewohnt, dass wir beide zusammen mit ihm unterwegs sind», sagt In Albon. Sie ist die Besitzerin des zweijährigen Border Collies. Seit vergangenem September ist dieser auch bei Seifert zu Hause. Die beiden teilen sich Matti. Angefangen hat es damit, dass sich Seifert einen Hund wünschte. «Ich habe mir auch schon einige angesehen, war im Tierheim. Aber der passende war nicht dabei.»

Also habe sie sich als Zwischenlösung auf der Dogsharing-Plattform Hundelieb ein Profil erstellt. Dann haben Matti und Sirin In Albon sie kontaktiert und um ein Treffen gebeten. «Und die Chemie zwischen Matti und mir hat sofort gepasst.» Auch In Albon war erleichtert. Matti sei über Umwege zu ihr gekommen. Eigentlich hätte er als Hirtenhund bei ihrem Vater in Norwegen arbeiten sollen. «Aber dafür war er zu sensibel.» Also nahm In Albon ihn bei sich auf. Als sie im September ihr Studium in Agrarwissenschaften an der ETH beginnt, braucht sie jemanden der tagsüber auf Matti schaut. Sie meldet sich bei «Hundelieb» an und stösst sofort auf das Profil von Marlies Seifert. «Sie suchte nach einem gut erzogenen Hund, der viel Auslauf braucht und gerne draussen ist. Das ist quasi die Kurzbeschreibung von Matti.» Zudem habe es super gepasst, weil sie in der Nähe der ETH wohnt. So bringt die Studentin den Hund meistens auf dem Weg an die Hochschule bei ihr vorbei.

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Sirin In Albon (l.) und Marlies Seifert sind mit Matti auf dem Zürcher Käferberg unterwegs. Sie teilen sich den zweijährigen Border Collie.

Ich finde es wichtig, dass die Hunde nicht herumgereicht werden, sondern eine gewisse Konstanz erleben.

Marlies Seifert

Drei bis vier Tage die Woche ist Matti tagsüber bei Seifert, die als Kommunikationsspezialistin bei Migros Engagement arbeitet und in der Mittagspause mit ihm joggen oder spazieren geht. Das Futter bezahlt und organisiert In Albon und bringt es jeweils abgepackt mit. Auch die Arztkosten und die Hundesteuer bezahlt sie selber. Es sei sicher sinnvoll, wenn man zu Beginn kurz darüber spreche, sagt Mattis Besitzerin. Auch über die Erziehung haben sie geredet. Auf das Sofa darf er bei niemandem. Und als In Albon ihm das ‘an Menschen hochspringen’ abgewöhnen wollte, haben sie eine gemeinsame Taktik abgesprochen, um ihn nicht zu verwirren.

Wenn man sich bei der Plattform anmelde, müsse man gewillt sein Verantwortung zu übernehmen, sagt Seifert. «Ich finde es wichtig, dass die Hunde nicht herumgereicht werden, sondern eine gewisse Konstanz erleben.» Die beiden planen Matti so lange es geht, zu teilen. «Wenn ich einen eigenen Hund gekauft hätte, hätte ich wohl auch ab und zu Hilfe gebraucht oder er wäre mal länger alleine gewesen.» So wissen beide, dass Matti die aktive Betreuung erhält, die er verdient.

Die Plattform: HUNDELIEB ist die erste und grösste Dogsharing-Plattform im deutschen Sprachraum.

So funktioniert es: Menschen, die ihre Hunde teilen wollen, melden sich auf der Homepage oder der App an und erstellen ein Profil von ihrem Hund. Menschen, die interessiert sind, können ebenfalls ein Profil erstellen, sich selber und ihren «Wunschhund» beschreiben. Die Anmeldung ist kostenlos. Wer aber selber aktiv andere anschreiben will, muss eine Gebühr zahlen, um so zum Premium-Mitglied zu werden. Es empfiehlt sich Versicherungsfragen untereinander abzusprechen.

Sharing-Projekte des Migros Pionierfonds:

Fotos: Christian Schnur

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