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«Eine Modebühne, die über die Schweiz hinaus strahlt»

Text

Lea Müller

Erschienen

31.08.2021

Mode-Suisse-Gründer Yannick Aellen und sein Team geben dem Outfit und der Frisur eines Models den letzten Schliff.

Seit 10 Jahren bietet die Mode Suisse eine Plattform für Schweizer Designlabels und öffnet ihnen Tür und Tor zu internationalen Märkten. Wie hat sie das Schweizer Modeschaffen geprägt, wo hat sie Pionierarbeit geleistet und wohin geht nun die Reise? Im Interview zieht Britta Friedrich, Leiterin Förderbetrieb beim Migros-Pionierfonds, Bilanz zu einem der ersten Förderprojekte des Pionierfonds.

Britta Friedrich, was hat der Migros-Pionierfonds mit Mode am Hut? 
Mode ist Zeitgeist, zuweilen Seismograph. Wir drücken uns mit ihr aus, beziehen Stellung, ja, wir kommunizieren mit und durch Mode. Das macht Mode zu einem sozial-kulturellen Phänomen mit gesellschaftlicher Relevanz. Darüber hinaus ist Mode als Teil der Kreativwirtschaft auch ein Wirtschaftsfaktor – der vor allem im Hinblick auf ethische und ökologische Fragen immer wieder in der Kritik steht. Als impact-orientierter Förderer konzentriert sich der Migros-Pionierfonds auf die gesellschaftliche Wirksamkeit von Mode – kulturell, sozial, wirtschaftlich wie ökologisch. Wir unterstützen Projekte, die Mode nicht als Selbstzweck sehen, sondern durch, mit und in der Mode etwas verändern wollen.  

Was sind Beispielprojekte? 
Der Mode Suisse geht es darum darum, die Kreativität und die gestalterische Kraft des Schweizer Modeschaffens zu fördern. Laufmeter bringt nachhaltige Schweizer Mode direkt zu den Kund*innen und setzt damit ein Zeichen gegen Fast Fashion. Das Projekt Circular Clothing wiederum unterstützt den Wandel zu einer nachhaltigeren Modeindustrie durch einen kreislauffähigen Ansatz in der Produktion.

Das Publikum der Mode Suisse bestaunt die Kollektionne, die auf dem Catwalk präsentiert werden.

Blick ins Publikum der Mode Suisse Edition 14. Foto: David Biedert

Die Plattform Mode Suisse gehört zu den ersten Projekten im Portfolio des 2012 gegründeten Migros-Pionierfonds. Inwiefern ist die Mode Suisse eine Pionierin?  
Die Schweiz geniesst weltweit einen guten Ruf, wenn es um edle Stoffe und Garne geht.  Das Schweizer Modeschaffen hingegen wurde lange weder auf dem heimischen noch auf dem internationalen Markt wirklich wahrgenommen. Die Mode Suisse ist vor 10 Jahren angetreten, das hiesige Modedesign aus seiner Nische zu holen und auf dem internationalen Parkett zu etablieren. Entgegen grosser Skepsis und vieler Widerstände, glaubte Mode-Suisse-Gründer Yannick Aellen an das Potenzial und die Kreativität der Schweizer Branche. Gemeinsam mit seinem Team hat er eine Bühne geschaffen, die weit über die Schweizer Grenzen hinaus strahlt.

Die Mode Suisse feiert mit der 20. Edition ein Jubiläum. Was hat die Mode Suisse in den vergangenen zehn Jahren erreicht? 
Die Mode Suisse ist heute ein Brand mit internationalem Renommee und einem funktionierenden Netzwerk aus Kreativen, Medienschaffenden und Branchenexpert*innen aus aller Welt. Ihr ist es gelungen, dem Schweizer Modeschaffen seinen Platz auf dem internationalen Markt einzuräumen. Die Teilnahme ist für die Labels und Designer*innen gleichermassen Qualitätssiegel wie Türöffner: Denn die Modeschauen sorgen nicht nur für Aufmerksamkeit, sie unterstützen die Labels auch unternehmerisch, indem gezielt Einkäufer*innen aus unterschiedlichen Ländern eingeladen werden und so Zugang zu neuen Märkten geboten wird. Der Verkauf der Kleider bringt neben der Bestätigung für die kreative Arbeit wirtschaftliche Stabilität – das macht die Labels und Designer*innen resilienter, was wiederum die Kreativität in unserem Land stärkt.

Was ist aus Sicht des Migros-Pionierfonds ein Highlight der Förderzeit? 
Zu den Highlights unseres gemeinsamen Wegs zählt sicher das Zustandekommen der Förder-Allianz: Dass sich mit Pro Helvetia, der Zürcherischen Seidenindustrie Gesellschaft (ZSIG), der Hulda Gustav Zumsteg-Stiftung und dem Migros-Pionierfonds vier Partner bereit erklärt haben, die Mode Suisse gemeinsam für eine Laufzeit von fünf Jahren zu unterstützen, war und ist ein Novum.

Britta Friedrich, Leiterin Förderbetrieb Migros-Pionierfonds

Foto: Jasmin Frei

Als impact-orientierter Förderer konzentriert sich der Migros-Pionierfonds auf die gesellschaftliche Wirksamkeit von Mode – kulturell, sozial, wirtschaftlich wie ökologisch. Wir unterstützen Projekte, die Mode nicht als Selbstzweck sehen, sondern durch, mit und in der Mode etwas verändern wollen.

Britta Friedrich Leiterin Förderbetrieb Migros-Pionierfonds

Wie hat der Migros-Pionierfonds das Projekt in diesem Jahrzehnt begleitet?
Unser Förderansatz verbindet monetäre Unterstützung mit einer aktiven Begleitung. Das heisst: Wir stehen unseren Projekten stets auch als Sparring-Partner zur Seite. Wir hinterfragen, beraten und versuchen gemeinsam den besten Weg für das Projekt zu finden – das war und ist bei der Mode Suisse nicht anders. Meist sind wir in der Anfangsphase eines Projekts stärker eingebunden als in den letzten Etappen. Vor dem Hintergrund von Corona war das Team der Mode Suisse im vergangenen Jahr allerdings besonders gefordert und musste sehr agil reagieren. Veranstaltungen mussten umdisponiert oder abgesagt werden. Gleichzeitig wurden virtuelle Showrooms aufgesetzt und die digitalen Kommunikationskanäle weiter ausgebaut. Hier waren wir als Partner selbstverständlich an der Seite des Projekts, um ihm den Rücken zu stärken.  

Dieses Jahr endet die langjährige Förderung durch den Migros-Pionierfonds und die weiteren Trägerschaftspartner. Wohin geht nun die Reise?
Die Trägerschaft der Allianz endet wie geplant nach 5 Jahren. Die Mode Suisse hat die Zeit genutzt und eine vielversprechende Grundlage geschaffen – für die Schweizer Mode, aber auch für sich als Organisation. In der Modewelt ist gerade vieles im Umbruch. Corona hat nicht nur globale Liefer- und Produktionsketten auf eine harte Probe gestellt, sondern die Branche auch zwangs-entschleunigt. Auch wenn sich in einigen Bereichen der «Normalbetrieb» wieder durchsetzen sollte – das Thema Nachhaltigkeit ist nicht mehr von der Agenda zu wischen. Das Modekarussell wird sich also trotz dem einen oder anderen Richtungswechsel weiterdrehen – und die Mode Suisse wird daran als Motor des Schweizer Modeschaffens ihren Anteil haben.

Du willst mehr über die Mode Suisse und das Thema Nachhaltigkeit in der Modebranche erfahren?

Wir haben mit Mode-Suisse-Gründer Yannick Aellen gesprochen und ihn unter anderem gefragt, wie viel ein T-Shirt kosten darf und wie man als Konsument*in den Spagat zwischen Nachhaltigkeit und immer neuen Styles fürs Instagrambild schafft. Jetzt entdecken.

Foto/Bühne: Yannick Aellen und Florenece in Julia Heuer, Foto: Bon Wonwannawat

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