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Chelan: 100% fluid

Text

Pierre Wuthrich

Erschienen

18.03.2022

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Mit seinem Vornamen, den sowohl Männer als auch Frauen tragen, war Chelan geradezu prädestiniert, die musikalischen Genres zu vermischen. Sein Neo-Soul-Stil ist das beste Beispiel dafür. Zu entdecken im Rahmen des Festivals m4music.

#Herkunft

Chelan wird 1998 in der Schweiz geboren. Der Vater ist Deutscher, die Mutter Britin. Seine ersten drei Lebensjahre verbringt er in Sri Lanka, zur Schule ging er in Coppet, Nyon und Lausanne. «Mein Vorname ist geschlechtsneutral und stammt aus Sri Lanka. So hiess der Rezeptionist des Hotels, in dem meine Eltern vor meiner Geburt wohnten.» An diese Zeit hat der Waadtländer jedoch nur noch wenige Erinnerungen, ausser vielleicht die Geschmackseinflüsse einer Küche, die als raffiniert gilt – wie übrigens auch Chelans Musik.

#Autodidakt

Mit den Klavierklängen seines Vaters als buchstäbliches Wiegenlied entdeckt Chelan sehr schnell seine Leidenschaft für die Musik. Er nimmt Gitarrenunterricht und experimentiert mit GarageBand, bevor er zu einer professionelleren Software wechselt. Mit 11 Jahren macht er seine ersten Aufnahmen und entwickelt nach und nach einen genreübergreifenden Stil. Von Jazz, Soul, Hip-Hop, Funk bis hin zu R&B ist alles dabei. Was wie ein heilloses Durcheinander erscheinen mag, ist teuflisch gut.

#Studium

Chelan ist nicht nur ein talentierter Musiker. Auch an der Uni fühlt er sich richtig wohl. «Derzeit mache ich meinen Master in Management an der HEC Lausanne. Bisher konnte ich Studium und Musik bestens unter einen Hut bringen, vor allem, weil mich der Unterrichtsstoff interessiert. Ich würde nämlich gerne mein eigenes Label gründen.»

#Einfluss

Chelan hat prägnante Referenzen, die zu seinem Musikstil passen. Gerne nennt er Jamie Cullum «wegen seiner Stimme, seiner Sprache, seines Jazz-Esprits» und die Neo-Soul-Gruppe Hablot Brown, «eine absolute Referenz in Sachen Mixen und Mastern.»

Portrait Chelan

Bisher konnte ich Studium und Musik bestens unter einen Hut bringen.

Chelan

#Band

Chelan tauscht sich gerne aus und mag es, sich auf der Bühne oder im Studio mit anderen Künstlern zusammenzuschliessen, wie z. B. der Neo-Soul-Sängerin Nnavy aus Burundi oder dem Franzosen Malter mit seinem eher in Richtung Soul gehenden Stil. «Ich mixe gerne und mag es, wenn sich die Einflüsse vermischen. Dieser gemeinsame Schaffensprozess begeistert mich. Aber ich möchte auch, dass das Publikum ihn entdeckt und die Ohren spitzt.»

#sozialeNetzwerke

Mit seinen 20‘000 Followern auf Instagram hat Chelan bereits eine grosse Community in den sozialen Netzwerken. «Regelmässig Content zu posten ist viel Arbeit, verschafft mir aber eine gute Präsenz.» Chelan hat dennoch gewisse Vorbehalte gegenüber den verschiedenen Plattformen. «Es gibt auch eine ungesunde Seite. Auf TikTok kann einem Künstler über Nacht ein kometenhafter Aufstieg gelingen, danach kann er allerdings auch ebenso schnell wieder in Vergessenheit geraten. Man muss wissen, wie man richtig damit umgeht, um von so einer Dynamik verschont zu bleiben.»

#Mini-Album

Anfang des Monats hat Chelan seine erste EP mit dem Titel «Orange & Blue» herausgebracht. «Ich habe diesen Namen gewählt, weil sie aus zwei Teilen besteht. Die ruhigen und introvertierten Titel assoziiere ich mit Blau. Die groovigen und extravertierten Stücke sehe ich in Orange. Diese beiden Charakterzüge finden sich übrigens auch in meiner Persönlichkeit. Ich kann sehr ängstlich sein, aber wenn ich auf die Bühne gehe, fühle ich mich befreit.»

#Mode

Chelans Perlenkette ist zwar nicht ganz so eindrucksvoll wie das dreireihige Collier von Queen Elizabeth, sie verleiht dem Kleidungsstil des jungen Mannes aber trotzdem das gewisse Etwas. «Ich trage sie, weil ich sie schön finde. Die ästhetische Komponente ist wichtig; sie gibt der Musik einen Mehrwert. Dieses Accessoire wird als weiblich wahrgenommen, funktioniert aber gut mit meinem künstlerischen Universum, das fliessend von einem Stil zum anderen übergeht. Und ausserdem bin ich der Ansicht, dass jeder das tragen darf, was er möchte, wenn es ihm gefällt und er sich damit wohlfühlt.»

Mehr als ein Festival

m4music wird vom Migros Kulturprozent organisiert und findet am 25. und 26. März in Zürich statt. Neben Chelan (am 26. im Club Exil) bekommen die Festivalbesucher auch den Soul von Priya Ragu («BBC Sound of 2022») oder die psychedelische elektronische Musik von Kerala Dust zu hören. m4music auf Konzerte zu reduzieren wäre aber irreführend, denn die Veranstaltung beinhaltet auch einen Wettbewerb für junge Talente, Konferenzen sowie die Preisverleihung für den «Best Swiss Video Clip».

Fotos: Nicolas Righetti / Lundi13