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Wie Heidi in den USA Sportgeschichte schrieb

Text

Marlies Seifert

Erschienen

09.12.2021

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Das berühmteste Schweizer Mädchen schaffte es auch auf der anderen Seite des grossen Teichs in die Schlagzeilen. Wir verraten dir diesen und vier weitere unbekannte Heidi-Fakten zum Staunen.

Heidi zählt zu den bekanntesten Romanfiguren der Welt. Die Kinderbücher der Schweizer Autorin wurden in über 55 Sprachen übersetzt und weltweit mehr als 50 Millionen Mal verkauft. Aus dem Stoff entstanden diverse Filmadaptionen und Serien. Wusstest du schon? Hier fünf Heidi-Facts, die du wahrscheinlich noch nicht kanntest:

1. Die erste Film-Heidi war stumm

Schon kurz nach der Veröffentlichung im Jahr 1880 wurde der erste Heidi-Roman «Heidis Lehr- und Wanderjahre» zum internationalen Erfolg. Die Geschichte des Waisenmädchens von der Alp ging um die Welt. Bevor die Schweizer Produktionsfirma Praesens-Film in den Fünfzigerjahren den heute legendären Schwarz-Weiss-Streifen drehte, war der Stoff in den USA bereits zweimal verfilmt worden. Bei der ersten Adaption handelt es sich um einen kaum bekannten Stummfilm aus dem Jahr 1920. 1937 folgte die Hollywood-Version. In der Hauptrolle: Shirley Temple, der berühmteste Kinderstar jener Zeit. 

2. In Maienfeld wurde nie gedreht

1951 begannen die Arbeiten an den Schweizer Heidi-Filmen. Regisseur Luigi Comencini (Halb-Italiener, Halb-Glarner) setzte bewusst auf Laiendarsteller und suchte in Schulen landauf, landab nach Heidi und Peter. Nach Probeaufnahmen mit mehr als 3'000 Kindern fiel die Wahl schliesslich auf Elsbeth Sigmund und Thomas Klameth. In Maienfeld, dem Originalschauplatz der Heidi-Geschichte, standen die beiden allerdings nie vor der Kamera. Der Ort war bereits zu stark modernisiert. Sattdessen wurde in Latsch ob Bergün und auf der Filisurer Alp Falein gedreht. Die Aussenzenen, welche in Frankfurt am Main spielen, wurden grösstenteils in Basel gedreht. Grund: Die deutsche Grossstadt lag noch immer in den Trümmern des zweiten Weltkriegs. Nur der Dom konnte gefilmt werden.

Heidi jetzt streamen

Pünktlich zum Advent hat die Schweizer Filminitiative filmo die beiden Heidi-Filme «Heidi» und «Heidi und Peter» erstmals online zugänglich gemacht. In modernster Bild- und Tonqualität können sie ab sofort auf diversen Schweizer Plattformen gestreamt werden. Gemeinsam mit dem Filmklub Zauberlaterne und mit der Unterstützung des Migros-Pionierfonds wurden insgesamt neun Schweizer Kinderfilmklassiker restauriert. Neben Heidi sind weitere Kinderhelden wie Globi, Titeuf oder Max & Co. am Start. Mit «Kindergesichter» ist sogar ein Stummfilm-Meisterwerk vertreten. Titel wie «Der Blaue Pfeil», «Anna annA» oder «Azzuro» hingegen schicken Kinder der Neunzigerjahre auf eine Zeitreise. So wird es in den Weihnachtsferien auch nicht langweilig, wenn draussen Hudelwetter herrscht. Infos zur gesamten Staffel gibt es auf filmo.ch.
 

3. Heidi wurde nur durch Zufall zum Comic-Star

«Heidi, Heidi – deine Welt sind die Berge» - das Titellied zur japanischen Comic-Serie kennt wohl jedes Schweizer Kind. Was kaum jemand weiss: Beinahe wäre aus unserer Heidi keine Comic-Heldin geworden. Die Macher hinter der Sendung wollten eigentlich Pippi-Langstrumpf zur Zeichentrickfigur machen. Autorin Astrid Lindgren legte jedoch ihr Veto ein. Da Heidi – oder auf Japanisch «Haiji» - in Japan bereits seit den 1920er-Jahren als Kinderbuch bekannt und war, schwenkte Regisseur Isao Takahata kurzerhand auf den Schweizer Stoff um. Auch er kannte die Geschiche aus seiner eigenen Kindheit. In den ersten Entwürfen trug Heidi noch Zöpfe – wie Pippi. Die wurden aber bald abgeschnitten. Der Grund: ein Mädchen auf der Alp braucht eine praktische Frisur.

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4. Auch die Österreicher habens probiert

An denselben Schauplätzen, wo bereits Praesens Film Anfang der Fünfzigerjahre gedreht hatte, versuchte sich 1965 eine österreichische Produktionsfirma an einem Remake. Die Farbfilm-Heidi aus Österreich konnte jedoch nicht an den Erfolg des Schweizer Vorbilds in Schwarz-Weiss anknüpfen. Die Verfilmung von Luigi Comencini gilt bis heute als die unangefochtene Nummer eins. Sie wurde 1952 an der Biennale in Venedig als bester Jugendfilm ausgezeichnet, lief in mehr als 4300 US-Kinosälen und konnte sogar in Südamerika und der UdSSR das Publikum begeistern. Mehr als 100 Millionen Menschen auf der ganzen Welt haben den Film gesehen. Die Fortsetzung «Heidi und Peter» war weniger populär, ging dafür aber als erster Schweizer Farbfilm in die Annalen ein.

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5. Heidi schrieb Sportgeschichte 

Es war der 17. November 1968. Im US-Fersehen kämpften gerade die Oakland Raiders und die New York Jets im Super-Bowl gegeneinander. Das Finale der American-Football-Profiliga war schon damals das wichtigste TV-Ereignis des Landes. Die Jets führten kurz vor dem Schlusspfiff gerade hauchdünn mit 32:29, als um Punkt 19 Uhr die Übertragung plötzlich beendet wurde. Statt das Spiel bis zum Ende zu übertragen, zeigte der Sender NBC an der Ostküste der USA wie geplant die Premiere des neuen Hollywoodstreifens «Heidi kehrt heim». Der Aufschrei war riesig. «Swiss Alps vs. Super Bowl» titelte am nächsten Tag die «Los Angeles Times». Hauptdarstellerin Jennifer Edwards bekam von wütenden Football-Fans sogar Morddrohungen. Das Spiel ging als «Heidi Game» in die Geschichte ein. Sportübertragungen müssen in den Vereinigten Staaten seither immer bis zum Ende ausgestrahlt werden. 
 

Diese und weitere historische Heidi-Fakten gibt es im Film-Featurette von filmo:

Foto/Bühne: © Preasens-Film AG. Sammlung Cinémathèque suisse. Alle Rechte vorbehalten.

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