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6 Tipps, um Fake News zu erkennen

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Marlies Seifert

Published

28.10.2022

Drei ernsthafte Menschen, die ihre Mobiltelefone benutzen, während sie zusammen im Freien stehen

Welchen Nachrichten kann man noch trauen? Journalist und Medien-Startup-Gründer Hannes Grassegger weiss, wie man gefälschte News schneller entlarvt.

«Heutzutage haben wir Zugang zu Informationen, die aussehen, als wären sie News. Wir sehen Menschen, die wirken, als wären sie Experten. Und wir klicken auf Links, die nur dem Anschein nach von etablierten Medien stammen», sagt Hannes Grassegger. Mit seinem Startup «POOL» (s. Box) möchte der Journalist absichtlichen Falschmeldungen einen Riegel schieben. Mit diesen sechs Tipps, kommst auch du Fake News schneller auf die Schliche:

News und Unterhaltung unterscheiden

Was wir auf Social Media zu sehen bekommen, wird ausgewählt von Algorithmen. «Deren Hauptziel ist es, dass wir so viel Zeit wie möglich auf der Plattform verbringen, denn damit verdienen sie ihr Geld», gibt Grassegger zu bedenken. Zu Unterhaltungszwecken sei dies wunderbar, «eine verlässliche Informationsquelle sind Soziale Medien daher nicht». Zu schnell und unkontrolliert verbreiten sich hier manipulierte News, deren einzige Absicht es ist, Panik auszulösen.

Augen auf bei starken Emotionen

Sind Schlagzeilen besonders sensationell oder spektakulär, lösen sie bei uns Gefühle aus. Dieser Trick wird gerne benutzt, um Falschinformationen zu verbreiten. Denn sind wir von einem Inhalt stark betroffen, so sind wir eher geneigt, ihn mit anderen Menschen zu teilen. «Hohe Like- und Kommentarzahlen sind für mich deshalb oft ein Grund noch skeptischer zu sein», sagt Grassegger. 

Absender überprüfen

Von wem stammt die Information? Handelt es sich um eine vertraute Quelle? Kann ich die Information auf ein Medium oder eine Person beziehen? Kann ich eine Absicht hinter der Information erkennen? Auch hinter scheinbar seriösen Namen kann sich gezielte Falschinformation verbergen. «Bei Medien, die einem neu sind, lohnt sich ein Blick ins Impressum», rät Grassegger. Eine kurze Recherche zu den dort aufgeführten Personen sei meist schon sehr aufschlussreich. 

Vergleichen, vergleichen, vergleichen

Was sagen andere Medien zu demselben Thema? «Auf Google News lässt sich leicht nachschauen, ob es weitere Einträge zum fraglichen Ereignis gibt», so Grassegger. Entscheidend sei hierbei auch der Zeitraum. «Ich empfehle, diesen auf die letzten 24 Stunden einzustellen und zu schauen, welche Ergebnisse das System liefert». Gibt es keine Suchergebnisse von etablierten Medien, hast du es vermutlich mit Fakenews zu tun. Vergleiche die Suchergebnisse von Google auch mit jenen anderer Suchmaschinen wie zum Beispiel DuckDuckGo oder Bing.

Fakten checken

Manchmal geht die Desinformationsmaschinerie so weit, dass sogar digitale Nachschlagewerke bewusst manipuliert werden. «Auch was auf Wikipedia steht, ist nicht unbedingt wahr», mahnt Grassegger. «Manchmal sind ganz schlaue Akteure am Start, die versuchen, das Hintergrundwissen zu verändern.» Bei verdächtigen Inhalten rät er, den Diskussionsverlauf eines Wikipedia-Eintrags zu überprüfen und einen Blick in die Versionsgeschichte zu werfen. So lässt sich herausfinden, wer eine bestimmte Änderung zu welcher Zeit vorgenommen hat.

Bilder überprüfen

Im Netz gibt es nicht nur manipulierte Bilder, sondern auch echte Fotos, die jedoch in einen falschen Kontext gestellt werden, um gezielt Unwahrheiten zu verbreiten. Hier hilft die Rückwärtssuche von Google. Lade ein verdächtiges Bild hoch und sieh, wann und wo es bereits verwendet wurde. Dasselbe kannst du auch mit Screenshots aus Videos machen. In der Videosuche von Google kannst du zudem mittels Hashtags ähnliche Videos finden. «Die russische Suchmaschine Yandex hat darüber hinaus eine super Gesichtserkennung», weiss Grassegger.

Portrait Hannes Grassegger

Foto: Goran Basic

Hannes Grassegger ist Journalist und Dozent an der Uni Basel. Seit Jahren recherchiert er zu digitaler Desinformation und Fake News. Mit der Newsapp «POOL» möchte Grassegger nun ein Netzwerk für verlässliche News aus der eigenen Umgebung schaffen. Die App soll eine einfache und sichere Möglichkeit bieten, lokale Nachrichten auszutauschen und abzurufen. Kurz gesagt: digitaler Nachbarschaftsjournalismus ohne Desinformation. Mitte 2023 soll eine erste Version von «POOL» getestet werden. «POOL» ist ein Produkt von «Polaris», einem Projekt des Migros-Pionierfonds.

Foto/Bühne: Getty Images