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Er verhilft zur Traumhochzeit

Text

Ralf Kaminski

Erschienen

13.05.2022

Michael Zangger. Er trägt einen rosafarbenen Anzug mit Futter mit Blumenmuster.

Ab 1. Juli dürfen auch lesbische und schwule Paare heiraten. Michael Zangger hat sich auf queere Hochzeiten spezialisiert und weiss, worauf es dabei ankommt.

Bereits als Kind schwärmte Michael Zangger für prächtige Hochzeiten. «Wie in den Sissi-Filmen zum Beispiel», erzählt er. Seit 2021 beschäftigen Hochzeiten den (noch) Unverheirateten auch beruflich. Nach einer Ausbildung an der Academy of Wedding and Event Education in Wädenswil ZH ist der gelernte Koch nun als Hochzeitsplaner im Geschäft. «Das Timing war nicht ideal», räumt er ein, denn mitten in der Pandemie hielt sich die Nachfrage nach grossen Feiern in Grenzen. Dennoch konnte er vergangenes Jahr bereits zwei Hochzeiten organisieren.

Derzeit noch im Restaurant tätig

Zangger ist zwar offen für alle, hat sich aber auf Feiern für schwule und lesbische Paare spezialisiert. «Geschäftlich gesehen ist es gut, wenn man etwas Besonderes bieten kann, und da ich selbst schwul bin, bot sich das an», erklärt er. Sein bisheriger beruflicher Hintergrund ist ein enormer Vorteil für die neue Aufgabe: «60 Prozent von Hochzeitsfeiern ist Gastronomie.» Noch aber arbeitet er Vollzeit als stellvertretender Küchenchef in einem Zürcher Lokal. «Ziel ist, das nach und nach zu reduzieren und in ein paar Jahren ganz von der Hochzeitsplanung zu leben.»

Zangger schätzt, dass er pro Jahr zwischen 15 bis 20 Hochzeiten organisieren kann. Der Zeitaufwand variiert, je nach dem, ob man ihn nur für ein Beratungsgespräch engagiert oder ihn von A-Z alles organisieren lässt. «Ausser am Altar Ja zu sagen, kann ich wirklich alles übernehmen, bis hin zu den Ringen und den Texten für das Hochzeitspaar.» Ist er hauptverantwortlich, verdient er 10 bis 15 Prozent des Hochzeitsbudgets.

Michael Zangger mit Blumenbouquet

Eine Hochzeit ist gelungen, wenn sich das Paar am Tag selbst um nichts kümmern muss.

Michael Zangger

In der Schweiz geben Paare im Schnitt 30’000 bis 40’000 Franken für ihre Hochzeit aus. «Damit lässt sich schon etwas sehr Schönes machen», sagt Zangger. Zu den wichtigsten Aufgaben eines professionellen Hochzeitsplaners gehört es allerdings auch, die Wünsche des Paars mit den finanziellen Realitäten in Einklang zu bringen. «Manche haben irgendwo online etwas gesehen, das sie auch haben möchten, doch das passt nicht immer ins geplante Budget – dann liegt es an mir, Alternativen aufzuzeigen, die genauso schön sind.»

Auch religiöse Feiern sind möglich

Haben denn Lesben und Schwule wirklich andere Bedürfnisse als Heteros, wenn sie heiraten? Zangger lacht. «Nicht wirklich. Hochzeiten haben sich verglichen mit früher enorm individualisiert, es gibt also auch unter Heteros keinen typischen Standard mehr, wie sowas abläuft.» Was es hingegen auch in der Schweiz immer noch gebe: Hochzeitsausstatter, die mit Lesben und Schwulen nichts zu tun haben wollen. Und da kommt dann Zangger ins Spiel. «Einerseits erspare ich es den Paaren, solche Erfahrungen zu machen, andererseits habe ich ein Netzwerk, etwa Kleidergeschäfte oder Konditoreien, die liebend gerne auch für queere Paare arbeiten.»

Selbst religiöse Feiern kann er organisieren. «Es gibt katholische wie reformierte Pfarrer, die offen sind, eine Segnungsfeier in ihrer Kirche abzuhalten.» Derzeit plant er mit der Offenen Kirche Elisabethen (OKE), der ersten Regenbogenkirche derSchweiz, in Basel einen Anlass für den 15. Oktober, bei der schwule und lesbische Paare ihre eingetragene Partnerschaft zur Ehe «upgraden» können, inklusive des Ehesegens durch den Pfarrer der OKE, Frank Lorenz.

Zangger möchte dieses Netzwerk zudem erweitern. Gemeinsam mit dem bisher einzigen anderen Hochzeitsplaner, der in der Deutschschweiz auf queere Hochzeiten spezialisiert ist, hat er deshalb die Swiss Queer Wedding Association gegründet – ein neuer Verband, der die LGBTQ-freundlichen Dienstleister aus der Schweizer Hochzeitsbranche zusammenbringen soll. Der grosse Eröffnungsanlass findet Ende Mai im Dolder Grand statt. Das Luxushotel mit Blick auf den See und die Berge ist an ausgewählten Terminen ein offizielles Trauungslokal der Stadt Zürich – die ersten gleichgeschlechtlichen Feiern sind bereits geplant.

Zahlen und Fakten

2007

Lesbische und schwule Paare können ihre Beziehung seit 2007 mit einer eingetragenen Partnerschaft absichern. Wer dies getan hat, kann sie entweder beibehalten oder in eine Ehe umwandeln. Neue eingetragene Partnerschaften sind ab 1. Juli nicht mehr möglich, weil ab dann die «Ehe für alle» gilt.

12’130

Bis Ende 2021 haben laut Bundesamt für Statistik 12’130 Paare ihre Partnerschaft eintragen lassen, zwei Drittel davon sind schwul. Der Grund für den Unterschied: Schwule haben wohl viel häufiger ausländische Partner, die dank der Eintragung Wohn- und Arbeitsrecht erhalten

16%

1267 Partnerschaften wurden bis Ende 2021 wieder aufgelöst, rund 16 Prozent – gleichmässig verteilt auf Lesben und Schwule.

200

Laut dem Zivilstandsamt der Stadt Zürich haben sich bis Anfang April bereits 200 gleichgeschlechtliche Paare einen Termin für eine Trauung reserviert. Rund ein Dutzend sind neue Heiraten, alle anderen wandeln ihre eingetragene Partnerschaft um. Insgesamt leben 1400 eingetragene Paare in Zürich.

Von der Spezialisierung abgesehen, bietet Michael Zangger seiner Kundschaft jedoch vor allem eines: Entlastung. «Aus meiner Sicht ist eine Hochzeit dann gelungen, wenn sich das Paar am Tag selbst um nichts mehr kümmern muss. Tauchen plötzlich noch Probleme auf, erledige ich das im Hintergrund, während sie ganz für ihre Liebsten da sein und geniessen können.» In Absprache mit dem Paar und im Rahmen des Budgets entsteht für die Feier selbst und die Vorbereitung ein detaillierter Ablaufplan, «ein Drehbuch», wie Zangger es nennt. Darin ist zum Teil im Minutentakt festgehalten, wer was wann macht, damit am Ende alles reibungslos abläuft.

Vorsicht vor Kindern und Tieren

Zangger mag es, wenn er dabei möglichst freie Hand hat und selbst kreativ sein kann. «Wenn viel Geld zur Verfügung steht, plane ich zum Beispiel massenhaft Blumen und ein aufwendiges Essen ein – bei Leuten, die gerne reisen etwa einen Siebengänger mit Menüs aus aller Welt, unterbrochen von einem Gang mit Showeinlage draussen.» Er versuche immer, Höhepunkte einzubauen, die in Erinnerung bleiben. «Aber dafür muss ich das Paar natürlich erst mal ein wenig kennenlernen. Das erste Treffen findet deshalb immer bei ihnen zu Hause statt, damit ich sehe, wie sie ticken und eingerichtet sind.»

Idealerweise fange man mit der Planung 12 bis 18 Monate vor dem Hochzeitstermin an. «Es geht natürlich auch kurzfristiger, aber gewisse Wunschlokalitäten sind dann meist schon ausgebucht.» Gibt es auch Wünsche von Paaren, wo er eher abrät? «Alles, was kleine Kinder oder Tiere involviert, mag zwar niedlich sein, kann aber extrem aus dem Ruder laufen.» Das müsse man einfach einkalkulieren. «Aber es kann natürlich gerade dadurch sehr lustig sein – und eine tolle Erinnerung.»

Michael und sein Partner schauen sich in die Augen. Beide tragen Anzug mit Fliege.

Michael Zangger mit seinem Partner Stève. Foto: zVg

Auf einem Schiff kennengelernt

Er selbst ist seit 2019 in festen Händen. «Es war sehr romantisch», erzählt er mit einem Lächeln. Sein Vater hatte die Familie zum 60. Geburtstag auf eine Kreuzfahrt zwischen den Kanarischen Inseln eingeladen. Und auf dem Schiff lernte er, quasi unter dem Sternenhimmel, Stève kennen, einen heute 44-jährigen Immobilienfinancier, der zufälligerweise ebenfalls als Gast an Bord war. «Es war Liebe auf den ersten Blick.» Wegen ihm ist er dann auch aus dem Berner Seeland in die Region Zürich gezogen.

Dabei war sein Coming-out mit 17 nicht ganz leicht. «Ich bin in einem kleinen Dorf aufgewachsen, und die Eltern taten sich zunächst etwas schwer. Wir haben ein Jahr lang kaum darüber geredet.» Aber nach zwei, drei Jahren hatten sich die Eltern an den Gedanken gewöhnt. «Und als ich meinen ersten Freund nach Hause brachte, realisierten sie: Der ist total nett, und so viel anders als mit einer Freundin ist es gar nicht.» Mittlerweile hatte auch Zanggers Bruder sein Coming-out, und wenn die Söhne heute mit ihren Partnern bei den Eltern zu Besuch sind, ist alles ganz locker und entspannt.

Michael Zangger und sein Partner sind inzwischen übrigens offiziell verlobt. «Der Heiratsantrag passierte im Herbst 2021, exakt zwei Jahre nach dem Kennenlernen – natürlich auf einem Schiff.» Zwar steht der Hochzeitstermin noch nicht, aber ein Schiff und das Reisen werde bei der Feier ziemlich sicher eine Rolle spielen, erklärt er lachend. Und selbstverständlich wird er diese spezielle Hochzeit dann selbst organisieren.

Fotos: Marvin Zilm