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In einem Zug ins Wochenende

Erschienen

13.06.2022

Junge Frau mit Rucksack steht am Bahnhof vor einem Zug.

Auf Schienen reist es sich entspannt. Überraschende Städtetrips quer durch Europa.

Blick von oben auf Manchester

Melting Pot: das Zentrum von Manchester rund um den Beetham Tower.

Manchester

Raue Schale, weicher Kern

In England ist London unbestritten Nummer eins, wenn es um Städtetrips geht. Wer aber noch weiter Richtung Norden nach Manchester reist, wird merken: England kann mehr als nur Hauptstadttourismus. Inmitten von roten Backsteinhäusern und viktorianischen Prachtbauten haben sich neben zwei Universitäten auch Opernhäuser und Teile des BBC-Nachrichtenstudios angesiedelt.

So hat die Stadt in den letzten Jahrzehnten auch viele Immigrant*innen angezogen. Heute sprechen die rund 550 000 Einwohner*innen von Manchester über 200 Sprachen und machen die Stadt so zu einem Melting Pot der Kulturen.

Verreist du auch mit dem Zug?

Graffiti und eine Galleriewand im «Afflecks»

Das «Afflecks» ist ein Mekka für alternative Kultur. Im Innern des Einkaufszentrums zieren knallige Graffiti die Wände. Bild: zVg

Das Stadtzentrum ist erstaunlich überschaubar, was einem bereits nach einem Wochenende das Gefühl gibt, die Stadt tatsächlich kennengelernt zu haben. Berühmtheit erlangte Manchester neben seinen beiden Fussballmannschaften vor allem wegen der Musikikonen, die sie hervorgebracht hat: The Smiths und Oasis sind nur zwei Grössen des Britpops, auf deren Spuren man noch heute wandeln kann.

Dreh und Angelpunkt ist das Northern Quarter. Was Brooklyn für New York ist, ist eben dieses Viertel für Manchester. Es ist ein wenig heruntergekommen, aber vielleicht gerade deswegen seit Jahren sehr angesagt. An der Oldham Street im Herzen des Northern Quarter reihen sich Vintage-Klamottenläden, Galerien, Plattengeschäfte und Bars aneinander, aus ­denen schon am Nachmittag gitarrenlastige Musik dröhnt. In diesem Sinne: cheers!

Text: Manuela Enggist

Tipps

Das «Fig and Sparrow» an der Oldham Street ist eines der angesagtesten Brunchlokale der Stadt. Neben pochierten Eiern und den Avocado-Toasts gibt es hier auch die «Scotch Eggs», eine Snack-Spezialität aus der britischen Küche: Sie bestehen aus hart gekochten Eiern; diese werden mit Wurstbrät umhüllt, mit Brotkrumen paniert und anschliessend frittiert.

Im trendigen Gay Village liegt das Lokal Richmond Tea Rooms. Eigentlich kann man hier auch brunchen und zu Mittag essen. Die meisten Besucher*innen kommen aber wegen des Afternoon Teas. Die Scones mit der Clotted Cream (Streichrahm), die kleinen Sandwiche und die bunt verzierten Torten gehören zu den besten der Stadt.

Das Kimpton Clocktower Hotel an der Oxford Street hat erst im vergan­genen Jahr seine Türen geöffnet. Das denkmalgeschützte Gebäude, dessen Geschichte bis ins Jahr 1890 zurückreicht, als es als Hauptsitz der The Refuge Assurance Company eröffnet wurde, beherbergt 270 Zimmer, darunter elf Suiten. An den Wochenenden legen im «The Refuge», dem Restaurant des Hotels, angesagte DJs auf. Zudem gibt es immer wieder Ausstellungen, die in Zusammen­arbeit mit dem British Culture Archive organisiert werden.

Die Withworth Art Gallery ist ein Kunstmuseum, das an den Withworth Park grenzt. Nicht verpassen: ein Besuch im skandinavisch angehauchten Museumscafé.

Der Weg ist auf dieser Reise Teil des Ziels. Es gibt täglich Züge von Zürich und Basel nach Manchester. Die schnellste Verbindung (ab Basel) dauert zehneinhalb Stunden. Umgestiegen wird in Paris und London. Wer bei seinem Stoppover in Paris genug Zeit einberechnet, kann in einem der Cafés am Gare du Nord noch einen Milchkaffee trinken.

Reiselust auf Schienen

Haben Sie Fernweh, legen aber Wert auf umweltfreund­liches Reisen? Dann nehmen Sie den Zug! Das vom Migros-Pionierfonds unterstützte Start-up SimpleTrain zeigt mit seiner Buchungsplattform, wie ­unkompliziert und angenehm nachhaltiges Reisen auf Schienen funktionieren kann. Dank der Zusammenarbeit mit europäischen Bahngesellschaften fallen Offerten oft günstiger aus als auf anderen Buchungsplattformen. Infos: simpletrain.ch

Die Innenstadt von Genua

Genua hat eine der grössten historischen Altstädte Europas und eignet sich wunderbar zum Flanieren. Mit der Hafenkulisse im Hintergrund ziehen die Delfine ihre Show ab.

GENUA

Der Zauber des Meeres

Viele fahren bloss nach Genua, um dort eine Fähre zu besteigen. Dabei hat die ligurische Hauptstadt mehr Aufmerksamkeit verdient. Der alte Hafen, das grosse Aquarium und die lebendige Altstadt eignen sich auch bestens für einen Familienkurztrip. Das Centro Storico ist ein Labyrinth aus verwinkelten Gassen, hübschen Plätzchen und imposanten Palazzi. An jeder Ecke der riesigen Fussgängerzone laden Bäckereien, Bars, Cafés und Gelaterias zu einer kleinen Stärkung ein. Dennoch ist der Charme von Genua ein rauer. Es riecht nicht nur nach Meer und Fisch. Auch weniger schöne Düfte hängen in manchen Gassen. An vielen Häusern bröckelt die farbige Fassade, und eine vielbefahrene Hochstrasse trennt die Altstadt vom alten Hafen, dem Porto Antico. Genau das macht aber auch den Charakter der Stadt aus. Genua ist nicht herausgeputzt, hier tobt das Leben.

Text: Monica Müller

Die Focaccia ist in Genua erfunden worden, ebenso der Pesto Genovese. Von beiden Gerichten sollte man unbedingt ausgiebig kosten. Während die Focaccia in unzähligen Variationen verkauft wird, sind die Zutaten des echten Pestos strikt vorgegeben: Nur ligurisches Olivenöl, Pinienkerne, Knoblauch, Parmesan, Pecorino und Salz sind erlaubt. Gemischt wird der Pesto unter Trofie.

Das vom genuesischen Stararchitekten Renzo Piano gebaute Aquarium erinnert an ein vor Anker liegendes Schiff mitten im alten Hafen. Es wurde 1992 zum 500-Jahre-Jubiläum der Entdeckung Amerikas gebaut, denn auch Christoph Kolumbus war ein Genuese. Die Lage an der Hafenmole, der imposante Bau und dessen Bewohner ziehen einen in den Bann. Auf dem Spaziergang zwischen den Weltmeeren begegnet man unter anderem kurvenreichen Seekühen, diversen Haiarten sowie Schwertfischen. Delfine lassen sich bei ihren Sprüngen auf zwei Ebenen beobachten.

Das Meeresmuseum macht auf vier Stockwerken die Seefahrerei erlebbar. So kann man sich beispielsweise in eine nachgebaute Galeere setzen und mit Ketten an den Beinen rudern. Oder man kann versuchen, in einem Simulator ein Schiff sicher aus dem Porto Antico zu steuern. Ebenfalls anschaulich vermittelt wird die Geschichte des Abenteurers Ambrogio Fogar, der 74 Tage in der Antarktis in einem Rettungsboot herumtrieb. Dieses gibt es live zu bestaunen. Zur Krönung des Besuchs steigt man mit Helm ins Unterseeboot «S518 Nazario Sauro», das vor dem Museum im Meer schaukelt.

Einmal täglich gibt es eine direkte Verbindung für Reisende aus der Schweiz nach Genua. Ab Chiasso dauert die Fahrt knapp drei Stunden. Beim Umsteigen in Mailand empfiehlt sich eine nicht zu knapp kalkulierte Verbindung, da es oft zu Verspätungen kommt.

Blick auf bunte Häuser am Fluss in Utrecht

Die Oudegracht schlängelt sich ­mitten durch die pittoreske Altstadt von Utrecht.

Utrecht

Wie Amsterdam, aber gemütlich

Wer Grachtenfahrten und holländischen Käse liebt, aber auf die Hektik von Amsterdam pfeift, ist in Utrecht am richtigen Ort. Die viertgrösste Stadt der Niederlande ist ein echter Geheimtipp. Etwa doppelt so gross wie Basel, braucht die Universitätsstadt Utrecht den Vergleich mit dem grossen Amsterdam nicht zu scheuen.

Die Stadt ist nicht herausgepützelt, hat aber jede Menge charmante Ecken und Gässchen. Überhaupt bietet sie holländisches Flair mit allem, was dazugehört: Heerscharen von Velos, ein System von Kanälen und ein enormes Angebot an Käse und Blumen. Der Dom, das Wahrzeichen Utrechts, ist mit 112 Metern gar der höchste Kirchturm des Landes – wegen Bauarbeiten zurzeit allerdings in ein Gerüst gehüllt. Weil man ihn in der Stadt jederzeit im Blick hat, dient er Touristen auch als Orientierungspunkt.

Text: Simon Koechlin

Zugegeben: Ganz so viele Grachten wie in Amsterdam fliessen durch Utrecht nicht. Dafür schlängelt sich die Oudegracht, der Alte Kanal, mitten durch die Altstadt – und lässt sich auf drei Stockwerken entdecken. Auf dem Strassenniveau kann man sie gemütlich erwandern. Etwas tiefer, auf steinernen Anlegestegen, laden Cafés und Restaurants zum Verweilen ein. Und wer sich aufs Wasser wagt, tut dies auf einer Boots-, Pedalo- und Kajaktour.

Das «Trajectum Lumen» ist die etwas andere Art, Utrecht kennenzulernen. Für diesen Lichtpfad haben Künstler elf Gebäude, Strassen, Brücken oder Grachten in Lichtkunstwerke verwandelt. Abend für Abend, vom Einbruch der Dunkelheit an, erzählen sie die Geschichte der Stadt in einem buchstäblich anderen Licht.

Jeden Samstag wird der lauschige Vorplatz der Janskerk, der Johanneskirche, zum Blumenparadies. Am Blumenmarkt gibt es mehr Pflanzen, als in jeden Garten passen. Und stapelweise Schnittblumen – Tulpen, Rosen, Pfingstrosen und viele mehr. Auch wenn der Blumenstrauss die Heimreise in die Schweiz nicht überleben würde: Ein Besuch lohnt sich nur schon, um zu staunen.

Einmal täglich bringt die Bahn Schweizer Städtereisende ab Basel direkt nach Utrecht – in nur siebeneinhalb Stunden. Zudem bestehen tagsüber diverse Umsteigeverbindungen. Und seit Dezember 2021 fährt ein Nachtzug von Zürich und Basel, der morgens um halb neun in Utrecht ankommt.

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Der Clara-Zetkin-Park mit dem Neuen Rathaus (r.) und dem City-Hochhaus.

Leipzig

Mehr als nur Bach

«Cooler als Berlin, angesagter als München» – spätestens seit die Reisebibel «Lonely Planet» Leipzig zu Deutschlands Topdestination gekürt hat, ist die sächsische Metropole im touristischen Olymp angekommen. Die Stadt hat jenseits von Völkerschlachtdenkmal und «Auerbachs Keller» tatsächlich viel zu bieten. Wer die hübsch herausgepützelte Innenstadt verlässt und die umliegenden Quartiere durchstreift, wird so manches entdecken: lauschige Lokale, alternative Läden, kulturelle Oasen.

Text: Franz Ermel

Leipzig ist eine sehr grüne Stadt. Viele Parks und Grünanlagen sind dabei Teil des riesigen Auwaldes, der sich wie ein grünes Band durchs Stadtgebiet zieht. Wer eine Auszeit von der Grossstadt sucht, findet diese etwa im Clara-Zetkin-Park. Von hier aus kann man auf Waldwegen und entlang von Flüssen und Kanälen zum weiter südlich gelegenen Cospudener See joggen, wandern oder radeln. Badehose nicht vergessen!

Wer hätte das gedacht: Leipzig hat mehr Brücken als Venedig oder Hamburg. Die meisten gibt es in Plagwitz und den benachbarten Stadtteilen. Das einstige Industriequartier hat sich inzwischen zu einem Zentrum der Kreativwirtschaft, aber auch einem reizvollen Wohnquartier gemausert. Lassen Sie sich treiben – ein guter Ausgangspunkt dafür ist die Karl-Heine-Strasse.

Leipzig ist auch die Bachstadt schlechthin – Johann Sebastian Bach (1685–1750) wirkte 37 Jahre als Kantor an der Thomaskirche. Jeden Freitag um 18 Uhr sowie samstags um 15 Uhr kommen Motetten zur Aufführung, in aller Regel Bach’sche Kompositionen, vorgetragen in hochkarätiger Besetzung: vom Thomanerchor und Mitgliedern des weltbekannten Gewandhausorchesters. Das Ganze für nur zwei Euro. Kommen Sie rechtzeitig, die Konzerte sind gut besucht.

Leipzig ist von der Schweiz aus gut zu erreichen, entweder über Frankfurt/­Fulda (ca. 6 Std. ab Basel) oder über München/Nürnberg (ca. 7 Std. ab St. Margrethen). In jedem Fall muss mindestens einmal umgestiegen werden. Neu wird ab Dezember 2022 ein direkter Nachtzug ab Basel nach Leipzig/Dresden/Prag verkehren.

Blick auf einen Fluss in Ljubljana

Die idyllische Hauptstadt Sloweniens lädt zum Entschleunigen ein.

Ljubljana

Das echte Auenland

Die slowenische Hauptstadt Ljubljana ist so idyllisch, dass man sich in einer Fantasiewelt wähnen könnte: voller Honig, frei von Autos und so sicher wie das Zuhause der Hobbits. Perfekt, um ein, zwei Gänge herunterzuschalten.

Slowenien könnte die kleine Schwester der Schweiz sein. Halb so gross, mit bloss etwas über zwei Millionen Einwohnern, schaut sich die ehemalige jugoslawische Republik das beste von ihren Nachbarn ab: italienische Gelassenheit, österreichische Wanderlust, ungarische Architektur und kroatische Kulinarik.

Text: Dario Aeberli

Ljubljanas Hausberg ist das beliebteste Ausflugsziel für Familien. Zwölf Kilometer vom Stadtzentrum entfernt, geniesst man auf 676 Metern Höhe einen Ausblick über halb Slowenien. Doch der Aufstieg ist nicht ohne. Die Einheimischen tragen Sportklamotten. Neben dem Restaurant steht auf einer Tafel, dass ein Verrückter den Aufstieg in unter elf Minuten geschafft hat. Normalsterbliche sollten eher 45 Minuten dafür einrechnen und sich mit einer Glace oder zumindest mit einem isotonischen Getränk aus der Gastronomie für die Leistung belohnen.

Die Rouladen aus dünnem Teig gibt es in Hunderten salziger oder süsser Varianten. Die beliebteste ist gefüllt mit Ricottakäse und Estragon. Es gibt sie aber auch mit Heidelbeeren, Schokolade oder Walnüssen. Nicht fehlen darf: ein Löffel Honig oder besser zwei als Topping. Doch wählen Sie weise, mehr als drei Portionen sind an einem Tag kaum zu schaffen. Am besten lässt man sich in den Markthallen am Fluss bei der Auswahl beraten und teilt ein Štruklji.

Wer das alles zu harmonisch findet, sollte das Viertel Metelkova besuchen. Auf dem ehemaligen jugoslawischen Armeeareal hat sich das slowenische Pendant zur Berner Reitschule niedergelassen. Im Kulturzentrum finden Partys, alternative Kunstausstellungen oder Metal-Konzerte statt.

Von Zürich HB gibt es eine direkte Zugverbindung nach Ljubljana. Mit dem Nachtzug erreicht man nach elfeinhalb Stunden um 8 Uhr morgens die slowenischen Hauptstadt. Ohropax und eine Schlafbrille helfen, ausgeruht in Ljubljana anzukommen.

Fotos: Getty Images

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