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vitamin B: Studie «Die neuen Freiwilligen»

Titelbild der Studie «Die neuen Freiwilligen»

Klassische Freiwilligenarbeit hat in der Gesellschaft immer weniger Priorität. Was bedeutet das für die Zivilgesellschaft? Dieser Frage geht die Studie «Die neuen Freiwilligen» nach.

Freiwillige zu finden, wird immer schwieriger. Wer sich heute engagiert, will keine langfristigen Verpflichtungen eingehen, sondern schnell und projektbezogen mithelfen. Anstelle von hierarchischen Aufgabenzuweisungen braucht es in Zukunft Freiräume und Partizipation. Was dies für die Gesellschaft bedeutet und welche Chancen sich daraus ergeben, zeigt eine neue Studie, die am 28. Mai 2018 im Gottlieb Duttweiler Institut (GDI) in Rüschlikon präsentiert wurde. Damit lanciert das Migros-Kulturprozent einen Diskurs über die Zukunft der Freiwilligenarbeit in der Schweiz.

Freiwilligenarbeit heute und in Zukunft

Jahr für Jahr engagieren sich weniger Schweizer*innen freiwillig: Musikvereinen fehlen die Aktuar*innen, Gemeinden die Präsident*innen und der Feuerwehr die Helfer*innen. Dies schwächt nicht nur Vereine und andere Institutionen, sondern gefährdet auch den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Die Studie «Die neuen Freiwilligen» ergründet Ursachen und Konsequenzen. Zudem beschreibt sie zentrale Rahmenbedingungen für zukünftiges zivilgesellschaftliches Engagement.

Klassische Freiwilligenarbeit ist rückläufig

Wir stehen vor einem Paradigmenwechsel, so die zentrale These der GDI-Studie. Denn in einer Multioptionsgesellschaft werden regelmässige Verpflichtungen immer unbeliebter. Zusammen mit der zunehmenden Individualisierung führt dies zu einem Rückgang der klassischen Freiwilligenarbeit. Im Gegenzug nehmen kurzfristige und projektbezogene Engagements zu. Dazu gehören z. B.:

  • die Teilnahme an einer Tauschbörse
  • die Leitung eines Projektchors mit Geflüchteten
  • die Mithilfe in einem Gemeinschaftsgarten
  • das Verfassen von Wikipedia-Einträgen

Statt um Pflichten geht es dabei immer häufiger um Gestaltungsmöglichkeiten.
 

Neue Formen der Freiwilligenarbeit sind gefragt

Für einen erfolgreichen Wechsel zu dieser neuen Freiwilligkeit müssen verschiedene Voraussetzungen erfüllt sein. Die neuen Freiwilligen wollen nicht mehr nur ausführen und Gratisarbeiter*innen sein, sondern mitdenken und mitbestimmen können. Dabei hilft auch die Digitalisierung, die den Austausch mit den Interessierten vereinfacht. Projekte können weitgehend hierarchiefrei verhandelt und entwickelt werden. So lässt sich Individualismus mit Gemeinschaftlichkeit vereinen und auch der gesellschaftliche Zusammenhalt stärken.

Das Migros-Kulturprozent lanciert den Diskurs

Die Direktion Kultur und Soziales des Migros-Genossenschafts-Bundes verantwortet die nationale Ausrichtung des Migros-Kulturprozent. Sie beobachtet gesellschaftliche und sozialpolitische Entwicklungen und leistet neben der Projektarbeit auch Grundlagenarbeit zur Weiterentwicklung relevanter Gesellschaftsthemen. Die Abteilung Soziales (www.migros-kulturprozent.ch/soziales) lanciert den Diskurs zur Zukunft der Freiwilligenarbeit im Zeitalter von Mobilität, Flexibilisierung und Individualisierung.

Die 2018 erschienene Studie «Die neuen Freiwilligen» ergründet den Status quo der Freiwilligenarbeit in der Schweiz und wirft einen Blick in die Zukunft.