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Zusammen isst man weniger allein!

Text

Barbara Salm

Erschienen

14.12.2020

5 Wandernde vor einem Bergpanorama

Beim gemeinsamen Essen trifft man sich regelmässig und pflegt soziale Kontakte: ein wichtiger Bestandteil für das Wohlbefinden von uns Menschen.

Mahlzeiten müssen keineswegs immer im familiären Kreis eingenommen werden – in den selbstorganisierten Tischgemeinschaften von Tavolata entstehen häufig Freundschaften. Initiator Robert Sempach erzählt im Interview, was Tavolata ausmacht, wie man ganz einfach eine Tischgemeinschaft gründen kann und welche Erfahrungen er persönlich mit einer reinen Männer-Tavolata gemacht hat.

Porträt Robert Sempach, Initiator Tavolota, Migros-Kulturprozent

Robert Sempach, Initiator Tavolata, Migros-Kulturprozent

Was ist Sinn und Zweck einer Tavolata?
Aus Sicht der Gesundheitsförderung geht es den Menschen gut, wenn sie sich gut aufgehoben fühlen und in regelmässigem Kontakt und Austausch mit Gleich- und Andersgesinnten sind. In der Familie oder in der Verwandtschaft trifft man sich regelmässig, man isst gemeinsam und pflegt dadurch ganz selbstverständlich Kontakte und soziale Beziehungen. Tavolata schafft ein ausserfamiliäres Netzwerk, in dem sich Menschen, regelmässig treffen, um gemeinsam zu kochen und zu essen. Unser Konzept lässt viel Spielraum zu. So besagt die erste der sieben Spielregeln«Wir organisieren uns selbst». Es kann also durchaus sein, dass sich eine Tavolata öfters im Restaurant trifft, weil keiner der Beteiligten besonders gerne kocht. Auch das ist ok.

In den vergangenen 10 Jahren haben sich über 500 selbstorganisierte Tischgemeinschaften in der ganzen Schweiz gebildet, die sich regelmässig treffen. Worin liegt das Erfolgsgeheimnis von Tavolata?
Entscheidend für den langfristigen Erfolg ist nebst der Selbstorganisation, dass – so besagt es die fünfte Spielregel – Geben und Nehmen ausgeglichen sind. Bei vielen Tavolatas sind mittlerweile Freundschaften unter den Teilnehmenden entstanden, was mich persönlich sehr freut. Und bei einer Tavolata hat sogar jemand seine Tafelfreunde im Testament bedacht. Was für eine besondere Wertschätzung über den Tod hinaus.

Wie soll ich vorgehen, wenn ich eine eigene Tavolata gründen möchte?
Zuerst empfehle ich, eine Liste von Leuten zu erstellen, mit denen man sich gerne regelmässig treffen möchte. Dann kontaktiert man diese per Telefon oder Mail und vereinbart ein erstes Treffen, sobald es die Umstände wieder zulassen. An einem Kick-off Treffen erfolgt das Finetuning: in welchem Turnus und an welchem Ort man sich treffen will. Und dann heisst es loslegen.

Was ist, wenn mir solche Kontakte fehlen, ich aber keine eigene Tavolata gründen möchte?
Dann wäre es vielleicht an der Zeit, über seinen eigenen Schatten zu springen und sich bei einer Tavolata in der Region für ein «Schnupper-Essen» anzumelden. Zudem bietet der Marktplatz von tavolata.ch eine Fülle unterschiedlichster Angebote. Falls mich keines anspricht, kann ich auch selber einen Aufruf platzieren.

Sie haben eine eigene, reine Männer Tavolata. Wie kam es dazu?
Seit über 20 Jahren gehöre ich zu einer Wandergruppe, mit der ich einmal im Jahr eine dreitägige Tour unternehme. Vor vier Jahren schlug ich vor, eine Tavolata zu gründen. Ehrlich gesagt, wollte ich diese Dynamik selbst erleben, die aus so einer Tavolata entsteht. Wir sind zu siebt und treffen uns alle zwei Monate immer bei jemand anderem zu Hause: am Bodensee, am Hallwilersee, im Knonaueramt oder in Zürich. Dass unsere Ehefrauen nicht mit von der Partie sind, hat rein organisatorische Gründe: abgesehen davon, dass es an unseren Esstischen mit 14 Personen eng würde, anerkennen wir neidlos, dass unsere Partnerinnen immer noch etwas besser kochen als wir Männer.

10 Jahre Tavolata – eine Erfolgsgeschichte in Zahlen und Fakten

Es begann 2010 mit einem Aufruf im Migros Magazin zum gemeinsamen Kochen und Essen.

An zwei Infoveranstaltungen im Migros-Hochhaus am Limmatplatz trafen sich je 30 Personen zum Kick-off. Dabei wurden gemeinsam Spielregeln definiert. Heute, 10 Jahre später, gibt es über 500 Tavolatas in 22 Kantonen und ständig kommen neue hinzu.

Hast du Lust, deine eigene Tavolata zu gründen?

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